Seit 1995 spielen wir in der Wilden Liga. Entstanden aus einem Kreis kickender Antifußballer, die damals, zu Beginn der 90er bei Union auf einem Ascheplatz auf ein Tor spielten und sich immer wieder in Diskussionen fanden, ob es nicht doch sinnvoller wäre, ein zweites Tor hinzuzunehmen und so vielleicht dem Ideal, das wir aus dem Stadion nebenan kannten, ein wenig näher zu kommen. Trainiert wurde nie, obwohl einige das bitter nötig gehabt hätten – was sich auch heute noch hin und wieder zeigt und rächt. Irgendwann hörten wir dann von Klaus von Wadenbeißer, dass es da diese ominöse Liga gäbe, die für uns sicher genau das Richtige sei. Ein paar von uns waren mittlerweile Sportstudenten an der Bremer Uni und lernten dort weitere Hobbyfußballer kennen, die zwar leidenschaftlich gerne kickten, aber wie wir allenfalls über zwei bis drei Jahre Vereinserfahrung verfügten und sich ähnlich schwer taten mit Ballan- und mitnahme. Wir waren Feuer und Flamme und meldeten uns für die Saison 1995 an. Leider zahlten wir gleich im ersten Spiel Lehrgeld, als uns die erfahreneren Herren von Stümper zwei Bälle ins Tor diskutierten und wir 2-1 verloren. Das bleibt, aber auch Galles erstes Elfentor zum zwischenzeitlichen 1-1. Nie vergessen werden wir unseren ersten Sieg gegen Wadenbeißer an einem herrlichen Frühlingstag, als uns am Spielfeldrand unsere Spielerfrauen mit Transparenten leidenschaftlich unterstützten. Unglücklicherweise hat sich diese Begeisterung am Spielfeldrand nur ein Spiel lang gehalten, so dass wir seitdem immer nur Auswärtsspiele hatten. Weitere Anekdoten/Erfolge:

  • Unser größter Sieg war wohl der gegen den damals amtierenden deutschen Meister und ungeschlagenen Meister Vibrator, die wir im letzten Saisonspiel mit 4-0 schwindelig spielten – mit Dreier-Kette und Doppelsechs – damals revolutionär

  • Unser Wiederaufstieg mit 11 Siegen in 11 Spielen (Nomen est Omen) – und sofortiger Wiederabstieg mit 11 Punkten, weil wir dem Tempo in der ersten Liga einfach nicht mehr gewachsen waren – außerdem brachten die außer Leidenschaft auch noch technisches Können mit …

  • Galles Elfmeter: Am Torwart gescheitert, setzte er den Nachschuss aus optimaler Position gegen die nicht vorhandene Eckfahne

  • Der Sieg gegen die damals verhassten Carstens SC, die wir nach 0-2 Rückstand noch 3-2 schlugen

  • Eine unglaubliche Erfolglosigkeit im Pokal, wo wir (gefühlt) immer in der ersten Runde ausschieden

  • Eine Vizemeisterschaft, die uns am WildeLiga-GrünenTisch geraubt wurde – dann sind wir offiziell Vierter geworden – ein Skandal

  • Unsere Kompost Connection Erfahrung, die scheinbar nicht ganz ungewöhnlich ist, uns aber doch nachhaltig prägte: Während des Spiels alle paar Minuten auswechseln lassen und aus Erdlöchern kiffen und uns dann trotzdem mit einer hohen Niederlage nach Hause schicken


Die Gegenwart

Eine völlig überalterte Mannschaft weigert sich das Zeitliche zu segnen; und das trotz Nachwuchs in doppelter Mannschaftsstärke und einem Schnitt von weit über 40. Trotzdem hatten wir in den letzten Jahren besonders aus gesundheitlichen Gründen namhafte Abgänge zu verzeichnen und haben bei Ligaspielen immer wieder personelle Probleme, was sich beim sonntäglichen Training im Sportgarten nicht so bemerkbar macht. Aber da haben wir auch die Illusion, dass wir immer noch unglaublich schnell sind, wenn wir unser faszinierendes One-Touch-Spiel aufziehen.
Das sind wir – und unser Abschied kommt vermutlich dann, wenn wir noch einmal aufstiegen und der Realität, die gleichzeitig unser Alptraum ist, in Form von technisch starken Fußballern im besten Alterregelmäßig begegneten. So wie es ist, kann es gerne noch ein paar Jahre bleiben: Ein paar ähnlich überalterte Teams, die wir schon fast zwei Jahrzehnte kennen, ein paar neue, denen wir die Bälle reindiskutieren können und ein paar, die den Aufstieg unter sich ausmachen.
(S. Kremming 30.05.2012)

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